In der Früh hatte ich leider keine Zeit mehr ein paar Seiten zu schreiben, weil der Busch es sehr eilig hatte.
Essen tun die Büsche auch nichts. Ich möchte auch einmal nur von Wasser und Sonnenstrahlen leben können. So richtig Verständnis dafür hatte der Busch nicht gerade, aber da beißt die Maus kein Faden ab, ich muss essen.
Zum Glück machten wir uns bald an den Abstieg, vom scheinbar letzten Berg hinab und liefen dann einen kleinen Waldpfad hinab, bis der Weg eben dahin ging. An diesem Tag war ich so ausgelaugt, ich konnte mit dem Tempo des Busches kaum mithalten. Es wäre ja nicht auszumalen gewesen, wenn seine Beine vollständig gewesen wären.
Deshalb sind die Zeilen heute recht kurz und ich hoffe ich komme morgen dazu, noch meine Geschichte fertig zu erzählen, was beim Wettstreit noch geschah und wie ich dich endgültig aus den Augen verlor, geliebte Erika.
Mein Herz trauert jeden Moment, mein Hirn weiß, ich werde dich nie wieder sehen, doch mein Herz will es nicht glauben. Ich vermisse dich, meine Butterblume.
Naja was soll ich sagen, mit Buschreisen zu reisen geht wesentlich schneller, auch wenn mein Busch nur auf halber Flamme läuft.
Ich hab ihm aus Teilen meines Lederschurzes zwei Lederschuhe für seine Stumpen gemacht und er zeigte mir den Weg nach oben. Die Mapori müssen sich für diese Treppe ein paar Uth von der Nachbarinsel ausgeliehen haben. Die Treppe war atemberaubend, fast so beeindruckend wie die Himmelstreppe.
Oben angekommen humpelte der Busch voran. Er führte mich über eine Hügelkette und die Aussicht war noch wahnsinniger als alles was ich bis jetzt erblicken durfte.
Den Sumpf im Rücken lag ein Meer von Bäumen vor mir. Zu Weilen ragte ein gigantischer Baum aus dem grünen Meer und blickte erhaben zu mir herüber. Jetzt erst verstand ich, wie viele Urtümer diese Insel eigentlich haben musste.
Und diesen einen, der zwei Leben verbraucht hatte um keimen zu können und dem jeder noch etwas von sich mitgegeben hatte, damit der Spross durch die heilige Erde sprießen konnte, stand eigentlich nur im Schatten dieser Giganten.
Langsam gehen mir ehrlich die Worte aus für diese unbeschreibliche Schönheit dieser Einzigartigkeit der Natur, die hier auf Secundum vor mir lag.
Der Busch führte mich über einen weitgezogenen Bergrücken und am Ende des Tages saßen wir am Fuße eines Gipfelfelsen mit Sicht auf die Ebene und ganz am Ende hätte man vielleicht schon die Baumwollplantage erkennen können, wenn man von den enormen Bäumen nicht völlig abgelenkt gewesen wäre.
Geliebte Erika, schade dass du das nicht sehen kannst, was ich hier sehe. Ich hätte dich sehr gerne bei mir gehabt, aber ich liege neben diesem Busch und versuche bei seinem Schnarchen ein Auge zu zu kriegen.
Guten Morgen, Sonne meines Herzens und Grund warum ich heute überhaupt aufstand.
Es war alles nass und klamm. Die Wunden, die ich von dem Blutegelbefall erlitten hatte, hatten sich an einigen Stellen entzündet, meine Kleidung war klamm und ich fror. Im Schatten der Felsenklippe würde ich heute auch keinen Sonnenstrahl mehr abbekommen.
Ich stand widerwillig auf und vernaschte die restlichen Heidelbeeren, auch wenn sie im Morast gebadet ganz schön scheiße schmeckten. Besser als nichts.
Ich lief zeitig los und hoffte einen Weg nach oben zu finden. Die Mapori hatten doch überall Treppen versteckt, warum auch nicht hier.
Aber warum einfach wenn es auch umständlich geht. Ich hatte den Eindruck einen Weg über die Klippe gefunden zu haben und rannte unbedacht in ein morastiges Loch. Erst viel zu spät erkannte ich, dass sich in dem Morast auch Modder befinden musste. Der schillernde Schleim, war mir gar nicht aufgefallen, erst als ich ihn direkt vor Augen hatte, fiel mir dass schummrige Leuchten auf.
Ich versuchte mich so schnell wie möglich aus dem Loch ziehen zu wollen und griff nach ein paar Ästen, die aus dem Morast ragten.
Als sich die Zweige bewegten, machte ich mir zunächst keine Gedanken. Doch als der Kopf eines Busches aus dem Morast auftauchte, blieb mir fast das Herz stehen.
Erst dachte ich mir, was für ein Glück, dass er sich nicht bewegte, aber als ich über ihn hinweg geklettert war, konnte ich den Busch nicht bei dem Modder lassen. Vielleicht lebte er ja noch.
Ich versuchte ihn also aus dem Dreck zu ziehen, doch er hatte sich wohl irgendwo verkeilt, also zog ich wie ein Stier an und es kam wie es kommen musste, ich flog mit samt dem Busch ein paar Meter und landete in einem kleinen Wasserloch. Was unser beider Glück war, das Wasser war nicht vom Modder befallen und wusch uns quasi wieder rein. Was ich nicht geahnt hatte, der Busch kam in dem Moment wieder zu sich, als das Wasser ihn vom Modder befreit hatte.
Ich versuchte ihn so gut es ging zu beruhigen, aber was sagt man zu einem wildgewordenen Busch, der gar nicht reden konnte.
'Ich kann dir helfen!' redete ich immer wieder auf ihn ein. Er hörte mich scheinbar nicht und versuchte auf mich loszugehen. Ich schwamm durch den Tümpel, um von dem Busch fortzukommen und er setzte mir nach. Auf der anderen Seite des Tümpels schaffte ich es äußerst behände an Land zu kommen und konnte den Busch abhängen.
Er wurde auch immer langsamer und dann bemerkte ich, dass seine Gliedmaßen teilweise abgefressen waren. Ich wunderte mich um mich selbst, als ich ihm meine Hand hinhielt, um ihm aus dem Tümpel zu helfen.
'Der Modder ist abgewaschen, er wird dich hoffentlich nicht weiter auffressen.' rief ich.
Der Busch ließ sich doch tatsächlich von mir helfen und als wir beide völlig am Ende unserer Kräfte endlich an Land waren, konnten wir beide sehen, was der Modder diesmal angerichtet hatte.
Die Beine des Busches waren halb abgefressen und einer seiner Arme lag nur noch in Fasern vor mir.
'Ob wir dich wieder hinkriegen, kann ich dir nicht versprechen!' meinte ich und goss ihm mein letztes Wasser über den Arm. Doch zu retten war der Arm nicht mehr, aber ich wollte ihm die Hoffnung nicht ganz rauben.
'Mit genug klarem Wasser kriegen wir das wieder hin und bei den Plantagen kann man uns bestimmt helfen! Meinst du, dass wir es bis dahin mit dir schaffen?'
Der Busch gab ein grunzendes Geräusch von sich und versuchte sich aufzustemmen. Er zeigte dabei in eine Richtung und ich sah einen kleinen Wasserfall.
'Ich lauf schon mal vor und hole frisches Wasser, lauf nicht weg, wir kriegen dich schon weder hin!'
Und sagen wir mal so, der Busch liegt nun neben mir und schnarcht. Ich wusste bis jetzt nicht, dass Büsche schnarchen können, aber er tut es. Aber solange er Geräusche von sich geben kann, wird er noch am Leben sein.
Dann bin ich morgen mal gespannt, ob wir einen Weg nach oben finden. Aber ich denke der Busch kennt sich hier wesentlich besser aus als ich.
Tag 13 Die Nacht war kalt, ganz ohne meine Sachen und niemand der mich wärmt. Sie waren am Morgen auch noch ganz schön feucht, aber was muss das muss. Das Frühstück war eher karg und die Froschsuppe schmeckte echt gruselig.
Ich packte zusammen und machte mich auf, immer meinen Orientierungspunkten entgegen. Dieser Teil des Sumpfes war ziemlich leicht zu begehen.
Der Geruch der Pilze ging mir nicht aus der Nase, doch ich fand keinen Einzigen. Schade eigentlich, ich hatte unglaubliche Gelüste auf irgendwas mit Pilzen. Die Wege wurden immer breiter und gaben mir den Anschein, als würde ich auf den Mittelpunkt des Sumpfes zusteuern. Das war dann auch mein Verhängnis. Ich kam ein Wenig von der Richtung ab, in die ich eigentlich wollte. Aber ich war ziemlich sicher, dass die Wege von allen Seiten zum Mittelpunkt liefen.
Naja, den Mittelpunkt habe ich gefunden. Und ehrlich hätte ich nicht so Gelüste auf irgendwas Totes in Pilzragout gehabt, wäre ich nie wieder heraus gekommen.
Nachdem ich leider keine Pilze gefunden hatte, wurde der Bewuchs immer weniger und irgendwann sah es aus wie zuhause. So weit das Auge reichte. Flechten und Heidegras. Der Geruch wurde immer süßer und als ich auf die ersten Heidelbeeren stieß, war ich noch hellauf begeistert.
Doch als meine Finger blau und mein Magen voll waren, waren immer noch so viele Heidelbeeren da. Der Überfluss war mir schon fast unheimlich.
Und es kam wie es kommen musste, ich war doch nicht allein hier. Ich hatte den Verfolgungswahn schon fast wieder abgelegt, als mich eine tiefe Stimme von hinten überraschte, als ich gerade Heidelbeeren in die leeren Riesennüsse brockte.
'Wie wollt ihr das jemals wieder in den Kreislauf zurückführen?'
Zurecht erwischt drehte ich mich um und eine ältere Mapori stand vor mir, auf einen krummen Stock gestützt. Sie hatte eine Augenbraue hochgezogen und blickte mich abschätzig an. Sie erinnerte mich irgendwie an die Säerin, auch wenn diese Mapori viel viel älter zu sein schien.
'Mein Name ist Elmar Mägdefessel, Metzger seines Zeichens. Verzeiht mir, aber nach Tagen des Hungerns haben mir eure süßen Beeren wahrlich das Leben gerettet.'
Sie war von meiner kurzen Ausführung nicht gerade beeindruckt und wollte sich schon wieder umdrehen. Hinter ihr sah ich wie sich das Heidekraut erhob. Wir waren nicht allein, ein Busch nach dem Anderen erhob sich aus dem Heidekraut und funkelte mich bedrohlich an.
'Ich wäre mit ein paar Pilzen wahrlich zufrieden gewesen….!' versuchte ich mich weiter zu erklären, bevor ich von ihr unterbrochen wurde.
'Pilze!' sie blickte mich verklärt an und machte eine abwinkende Handbewegung. Die Büsche legten sich wohl wieder schlafen. 'Wie kommt Ihr auf Pilze?'
'Als ich unweit eines kleinen Tümpels aus dem Morast geklettert war, roch es nach Pilzen. Ich fand aber keinen Einzigen, aber gerochen habe ich sie.'
'Ja, wirklich!' meinte sie und drehte sich einfach um und machte Anstalten zu gehen.
Puh, nochmal Glück gehabt, würde ich mal sagen. Aber sie drehte sich nochmal um und fragte: 'Was macht er eigentlich in meinem Sumpf?'
'Wenn ich nicht um Erlaubnis gefragt habe Euren Sumpf durchqueren zu dürfen, dann tut es mir wahrlich leid. Ich habe mich auf dem Weg zu der Baumwollplantage wohl verlaufen.'
'Ach, zu meinen Schwestern wollt ihr, da geht es da lang!' meinte sie und wies in Richtung der Felsformation, die ich schon seit Beginn des Sumpfes im Blick hatte. Ich blickte in die Richtung der Felsen und als ich mich wieder umdrehte, war sie einfach gegangen. Ein paar der Büsche standen wieder auf und folgten ihr, andere blieben liegen.
So schnell es mir möglich war, machte ich mich auf die Socken. Nur blickte ich nun ganz genau worauf ich nun meine Füße setzte. Mit so einem Busch wollte ich mich gar nicht anlegen.
Ich versuchte so schnell wie möglich von den Heidelbeeren fortzukommen und von der merkwürdigen Herrin des Sumpfes, so dass ich wirklich und wahrhaftig der Klippe immer näher kam.
Der Sumpf wurde immer feuchter und nässer und am Ende watete ich wieder durch den Dreck. Der Vorteil war, dass ich die Felsen im Auge hatte, das gab mir Hoffnung.
Auch wenn ich es an diesem Tag nicht mehr ganz hinaus schaffen würde, würde ich mich heute Nacht im Schatten meines stillen Begleiters zur Ruhe legen.
Ich fand doch tatsächlich eine halbwegs trockene Stelle, wo ich zumindest ein paar Stunden schlafen konnte, auch wenn ich heute Nacht nur ein kleines Feuer zustande brachte, die paar Zeilen gingen sich noch aus, geliebte Erika.
Geliebte Erika, Sonne meines Herzens, wenn du nur bis an dieses verschlammte Drecksloch scheinen könntest. Ich fluche zu viel, aber der Morgen war grauenvoller, als der letzte Tag am Strand.
Das Abkochen von Wasser beanspruchte die meiste Zeit und meine Rast war nun auch noch mit wenig Schlaf gesegnet. Ich hatte gestern bei weiten nicht alle Frösche erwischt. Hätte ich sie doch niemals alle Essen können, so viele waren es. Und so laut waren sie, als sie mich in den frühen Morgenstunden weckten.
Ich tötete mir ein paar zum Frühstück und ging nur mit einer halben Wasserration los. Ich konnte das Gequake nicht mehr hören.
Die Felsspitze immer in Blick, versuchte ich die Richtung zu halten, doch der Nebel war grausam zu mir und so musste es natürlich soweit kommen, dass ich mich verlief.
Nun kamen die Muscheln zum Einsatz. Ich ließ von Zeit zu Zeit eine Muschel fallen. So dass ich bemerken würde, wenn ich an einer Muschel vorbei lief, muss ich am diesem Ort bereits gewesen sein.
Durstig irrte ich durch den Sumpf und blieb immer auf den Wegen, die nicht im Morast endeten, in der Hoffnung ich würde zu einem größeren Baum oder einen Hügel kommen, von dem aus ich eine bessere Sicht hatte. Doch weit gefehlt, der Bewuchs wurde immer weniger und die Büsche immer kleiner und wenn die Oberfläche Unregelmäßigkeiten aufwies, dann ging es eher in die Tiefe.
Der Gestank aus dem Moor und der dichte Nebel zwang mich irgendwann auf die Knie und so kroch ich weiter bis ich nur noch waten konnte. Ich hoffte inständig die wasserdichte Verpackung des Tagebuches würde halten, weil auch wenn ich meinen Beutel über den Kopf hielt, tauchte ich doch einige Male unter. Dass ich auf meine alten Tage noch einmal Schwimmen lernen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Mehr schlecht als recht bewegte ich mich durchs trübe Wasser.
Ich bekam den widerlichen Geschmack des Schlamms nicht mehr aus meinem Mund und den Geruch nicht mehr aus meiner Nase.
Wäre ich doch nur durch den Wald gegangen, die Säerin hätte mich doch bestimmt gewähren lassen.
Völlig am Ende meiner Kräfte stieß ich gegen irgend etwas Hartes. Ich rieb mir mit einer Hand den Schlamm aus dem Gesicht und sah einen alten vermoderten Baumstamm vor mir. Ich legte meine Tasche darauf, um meinen anderen Arm zu entlasten.
Hinter dem Baumstamm war wieder fester und vor allem trockener Boden. Farnartige Gewächse wuchsen überall und was mich noch mehr verwunderte war die Größe dieser Gewächse. Es roch nach Moos und frischen Pilzen. Ich schüttelte den Kopf. Ich dachte meine Sinne stellten mir einen Streich, ich bin doch bis eben noch im wahrsten Sinne des Wortes durch die Scheiße gewatet und mitten im Sumpf gibt es eine halbwegs trockene Stelle.
Ich kletterte aus dem Morast über den Baum und kroch wie ein Tier über den moosigen Boden. Bah. Ich stank erbärmlich und alles an mir war nass und schlammig. An meiner Kleidung hing allerlei Unrat. Ich musste wie einer dieser Büsche aussehen, also ging ich weiter, weil es konnte ja immer noch sein, dass ich nicht alleine war in diesem Sumpf.
Ich lief solange bis der meiste Schlamm von mir gefallen war und blickte mich immer wieder um. Ich war allein. Gut so. Ich konnte Wasser plätschern hören und sah Enten in der Nähe aufsteigen. Ich lief noch eine Weile und kam an einen Tümpel. Das Wasser schien sauber zu sein. Ich trank es trotzdem nicht. Ich beschloss erst Feuer zu machen.
Dann sammelte ich trockenes Holz für Feuerholz. Ich machte ein Feuer, setzte Wasser auf. Ich zog meine Sachen aus und als sich sah was sich an mir festgesetzt hatte, wurde mir speiübel. Blutegel.
Nachdem ich kein Salz hatte, musste ich die Biester mit einem brennenden Stock entfernen. Ich beschloss mich und meine Sachen zu waschen. Also lief ich splitterfaser nackt und blutüberströmt zum Tümpel und wusch mich. Nachdem ich meine Sachen halbwegs sauber hatte, hing ich sie zum Trocknen auf.
Ich trank lauwarmes Wasser und setzte Neues auf. Dann wickelte ich das Tagebuch aus dem Leder und blätterte durch die Seiten. Zumindest konnte man noch lesen was ich schrieb, ob wohl es Wasser gezogen hatte.
Ich suchte mir etwas zu Essen. Enteneieromlette und Froschschenkel. Besser essen die feinen Herren auch nicht, geliebte Erika. Wie gerne würde ich mit dir zusammen speisen. Aber ich sitze hier und friere. Die Bisse der Blutegel jucken schrecklich. Ich hab nicht mal die Kraft noch mehr zu schreiben, obwohl ich noch so viel zu erzählen hatte. Morgen war auch noch ein Tag, hoffte ich.
Hoffnungslos verliebt und verirrt im Labyrinth deines Herzens,
Tag 11 Irgendwann muss ich doch eingenickt sein, geliebte Erika. So hab ich mich gestern gar nicht von dir verabschiedet. Aber zumindest hab ich ein paar Stunden geschlafen.
Mein Frühstück dauert eh ein wenig länger, weil ich mein Wasser nun immer abkochen muss, bevor ich es trinke. Die stinkende Plörre, die sich von dem sogenannten Modder kaum unterscheidet, würde ich am liebsten gar nicht trinken. Aber verdursten will ich auch nicht, deshalb hab ich das Wasser gefiltert und abgekocht. Jetzt warte ich gerade, bis es sich soweit abgekühlt hat, dass ich es umfüllen oder trinken kann.
Also hab ich noch ein wenig Zeit meinen Bericht weiterzuschreiben:
Während die Säerin sich mit den Wächtern beriet, kamen die Druiden ganz aufgeregt zu meinem Herren. So aufgeregt ehrwürdige, alte, weißbärtige Männer eben seien können.
Sie hatten herausgefunden, dass die Aeonenlinie sich durch den Vorfall mit dem abhandengekommenen Urtum verschoben hatte und sie hatten unweit des Maporilager eine neue Schnittstelle gefunden.
Die Alchemisten hingegen hatten herausgefunden, dass man mit Unmengen an Wasser dem schillernden Schleim zu Leibe rücken konnte. Also hatten alle, die eh nur untätig herumsaßen eine Kette zum Bach gebildet und es wurde nun Wasser geschöpft.
Als die Säerin wieder in unsere Mitte trat, war der Stumpf des verschwundenen Urtum soweit vom diesem Modder befreit, dass man die Ausmaße der Zerstörung nun vollends erblicken konnte. Und rings um den Stumpf hatte sich eine riesige Schlammlache gebildet.
Mit Tränen in den Augen wankte die Säerin zu dem Stumpf hinüber und kurz bevor sie zitternd auf die Knie stürzen konnte, fing mein Herr sie auf, riss sich seinen Umhang vom Hals und bevor er mit ihr zusammen in den Matsch sank, warf er seinen Umhang vor sich auf den Boden.
Er flüsterte ihr zu: ‘Wir wissen nicht, ob dieser leuchtende Schleim auch für euch gefährlich ist.’
Einer der Mapori kam zu ihnen hinüber und brachte ihr ein Pflänzchen: ‘Anemone, schau wir haben das Pflänzchen hier retten können. Sie nennen es Blutströpfchen. Aus dem Blütenstaub und dem Nektar kann man einen Trank machen, der Blutungen stillt und Schmerzen lindert.’
‘Taxus, mein Dank ist deiner!’ flüsterte die Säerin und nahm das Pflänzchen an sich.
‘Was sich der Aeon des Krieges alles für seine Mannen einfallen lässt.’ rief mein Herr und blickte die Säerin an.
Sie versuchte zu lächeln, doch ihr Blick ging blitzschnell wieder auf den Boden, als sie sah wie sich der Stoff des Mantels unter ihren Knien langsam auflöste.
Sie sprang auf, dabei fiel ihr das Pflänzchen aus der Hand und sie zerrte meinen Herren vom Mantel. Mein Herr hatte das Pflänzchen aufgefangen, verlor es gleich wieder, dabei kamen sie kaum zum Stehen und drohten wieder in den Schlamm zu fallen. Und nun kam ich ins Spiel ich warf mich mit meinem ledernen Schurz zu Boden, so dass sie zwar nicht weicher fielen, doch sicherer lagen als auf dem Leinenmantel meines Herren und ich fing sogar das arme kleine Blutströpfchen auf.
Der Schreiber stand an den Überresten des Mantels und fragte: ‘Herr, aus welchem Material war der Mantel?’ Dann stocherte er im Matsch herum. Taxus hatte mir das Blutströpfchen mittlerweile wieder abgenommen und blickte mich grimmig an. Als ob ich mit meinen groben Fingern das Pflänzchen zerdrückt hätte. Den Mapori kann man es ja wirklich nicht recht machen.
‘Er war aus edelsten Leinen gefertigt und meine Schwester hatte Nächte lang unser Wappen drauf gestickt.’ meinte mein Herr und versuchte sich aufzurappeln, um dann der Säerin aufzuhelfen.
‘Das Wappen ist noch da!’ rief der Alram.
Sein Mantel hatte sich mittlerweile vollends aufgelöst, dass Einzige was übrig blieb, waren die Fäden der Stickerei, der lederne Kragen und die metallene Schließe.
‘Sie hat es aus Seidenfäden gestickt, die ich ihr von meinen Reisen mitgebracht hatte!’ rief mein Herr eher beiläufig, da die Saerin wieder ins Straucheln kam. Er stürzte wieder auf die Knie und sie fiel in seinen Schoss.
‘Ich glaube der Schleim hat es auf alle Pflänzchen abgesehen.’ keuchte sie und zog schmerzerfüllt ihren ledernen Rock ein wenig hoch.
Taxus stand wieder neben ihnen und hatte einen Eimer mit Wasser in den Händen. ‘Auch wenn mich euer Zorn treffen wird, gießen ist das beste Mittel gegen den gefräßigen Schleim!’
Als sie ihre Knie freigelegt hatte, konnte man die Ausmaße sehen, was man an ihrem schmerzerfüllten Gesichtsausdruck schon hätte erahnen können. Der Schleim hatte sich selbst im verwässerten Zustand durch ihre Haut gefressen.
‘Taxus, ich erlaube dir mich zu gießen.’ zischte sie zwischen ihren geschlossenen Zähnen hindurch.
Taxus nickte und goss ihr das Wasser aus dem Eimer über die Knie. Dann kam einer der Alchemisten meines Herren angerannt. Ich glaube es war Fendrich Schweser Kopfmüller.
‘Mein Herr, das habe ich befürchtet. Ich habe bereits versucht den Mapori zu erklären, dass es besser wäre mit ledernen Schuhen über den Morast zu laufen. Leder greift der Schleim nicht an.’ Dann pfiff er und fuchtelte mit den Armen. ‘Herr, bitte tragt sie ein Stückchen weiter von diesem Schlamm fort.’ Dann machte er eine ehrerbietige Pause und fuhr fort. ‘Werte Rose der Mapori erlaubt uns bitte Euch auch die Füße zu waschen!’
Sie nickte nur, bevor ihr die Sinne schwanden und als sie wieder erwachte, lag sie fern ab vom Stumpf des zerstörten Urtums unter einem aufgespannten Tuch auf einer Bahre.
Ich war indes unterwegs gewesen meinem Herren eine neue Hose zu besorgen, weil seine Alte ihm schier vom Körper gefallen war und kam genau in dem Moment wieder zu meinem Herren, als sie wieder erwachte.
Doch ich wollte sie nicht stören. Mein Herr wusch ihr gerade die Füße und Taxus half ihr dabei sich langsam aufzurichten. Ihre Knie waren in saubere Tücher gewickelt. Taxus hatte mittlerweile lederne Handschuhe an.
‘Ich denke euch habe ich die Erlaubnis nicht gegeben!’ zischte sie meinen Herren an. Mein Herr lies blitzschnell den Schwamm fallen und lies dann ihre Füße ganz langsam ins Wasser zurück sinken, dabei fing er an zu stottern: ‘Verzeiht meine Dreistigkeit und verzeiht vor allem meinen Aufzug, ich hatte nur Euer Wohl im Sinn.’
Hätte er es nicht gesagt, dann hätte sie es wahrscheinlich gar nicht bemerkt, dass er nur in seiner seidenen Bruche vor ihr kniete.
‘Verzeiht werte Rose der Mapori, ich traute mich nicht eure Füße zu wässern, weil eure Mapori mich so grimmig ansahen, als ich den Schwamm ergriff.’ rief der Alchemist.
Sie blickte sich um und da einige ihrer Mapori, die ebenfalls unter dem Sonnensegel lagen, bereits behandelt wurden, nickte sie ihm zu. Aber dann zog sie eine ihrer grünen Brauen hoch und blickte Taxus an.
Taxus begann ungefragt einfach zu reden: ‘Ich saß die ganze Zeit hier und habe über Euch gewacht und darauf geschaut, dass die Herren hier nichts Unziemliches trieben. Nun ist es so, der Schleim greift alles Pflanzliche an, auch wenn es bereits entwurzelt und verarbeitet ist. Deshalb kniet unserer verehrter Quain hier in seinem Untergewand. Dann haben wir heraus gefunden, dass der Schleim auch keine Magie mag...’
Die beiden Wächter standen plötzlich vor ihr und nickten.
Sie schüttelte den Kopf und blickte in die Runde. Quain stand auf und ging rückwärts, bis er gegen mich lief. Ich drückte ihm seine wollene Hose in die Hand. Er schüttelte ebenfalls seinen Kopf und ging weiter rückwärts.
Am Ende blickte sie Taxus an, der bereits auf gestanden war.
‘Es ist an der Zeit!’ meinte die Säerin völlig überflüssig. Alle die im Umkreis standen hatten gehört, was die Wächter sagten, obwohl diese ihre Lippen nicht bewegt hatten.
Die Säerin machte Anstalten aufstehen zu wollen, doch die Verbände hinderten sie daran. Beim nächsten Schritt stolperte sie über den Wassertrog, in dem sie bis eben noch ihre Füße hatte. Mein Herr zog sich in diesem Moment endlich seine Hose an, deshalb war es an mir die Säerin aufzufangen.
Sie blickte mich völlig entsetzt an, doch ich grinste ihr entgegen und hob sie aus der Wanne und stellte sie auf beide Beine. Wie leicht sie war. Die Wächter in meinem Rücken dachten etwas, was über meinen Kopf hinwegflog und mir dabei einen kalten Schauer über den Rücken gefrieren lies.
‘Mein Herr hat mich auch gebeten euch lederne Schuhe zu bringen!’ meinte ich und zog die Schuhe aus der Tasche. Es war gar nicht so einfach so kleine Schuhe aufzutreiben, ich hoffe Erika du verzeihst mir mittlerweile, dass ich deine Schuhe mitgenommen habe. Ihr hattet beide die selbe Schuhgröße. Ich war sehr in Eile und ich wollte dich nicht wecken!
Ich durfte dann der Säerin die Schuhe anziehen und mein Herr war mittlerweile auch wieder vollständig bekleidet. Bevor ich fortfahren kann, muss ich aber dann mal los…
… in der Dämmerung begannen nun endlich die Vorbereitungen für das Ritual, an der Stelle, die die Druiden gefunden hatte. An der Stelle wo sich nun die Energielinien kreuzten. Der Platz wurde gereinigt, gesegnet und alle Ingredienzien wurden bereit gestellt. Es wurde ein Ring aus Kriegern der Mapori gemischt mit unseren Kriegern aus nahezu allen Lagern mit dem Rücken zum Ritualplatz aufgestellt. Nur einige wurden mit dem Gesicht zum Ritualplatz platziert, darunter waren mein Herr, seine Druiden, ein paar Magier, der Fendrich und Taxus und der Botaniker. Ich stand mit meinem Herren Rücken an Rücken. Die Säerin pflanzte zu jedem unsere Füße einen Samen in den Boden, einen äußeren Kreis und einen inneren Kreis. Die beiden Wächter kamen mit dem Jungen Juniper in die Mitte geschritten. Ich hatte ihn nur kurz gesehen, als die beiden Wächter mit ihm an mir vorbei geschritten waren.
Das was bei den beiden Wächtern irgendwie völlig selbstverständlich war, fiel mir nun wie Schuppen von den Augen. Sie redeten nicht. Ja, das taten sie wahrlich nicht. Und jetzt wo sie den Jungen Juniper an mir vorbei führten, war es wie ein Schlag ins Gesicht. Ich dachte, dass sich im Laufe der Jahre ihr Mund mit Wurzelwerk verschlossen hatte. Weil sie so nah am Baum waren, dass man sie kaum mehr davon unterscheiden konnte. Nein, sie hatten ihm den Mund mit Wurzelwerk zugenäht.
Juniper hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden und tat, was man von ihm erwartete. Stumm, bis zu seinem Lebensende.
Flankiert von den beiden Wächtern kniete er sich auf den Boden. Er hatte einen abgenutzten Holzscheit und fing an ein kleines Loch auszuheben. Dann wurde der Leichnam des Wächters in den Kreis gebracht und die beiden Wächter gruben eine große Grube. Als die Beiden mit der ersten Grube fertig waren, grub einer der Beiden eine zweite Grube und der andere Wächter schritt den inneren Kreis ab und seine Gedanken schwappten in unsere Köpfe. Die Säerin wiederholte seine Worte, wiedermal völlig unnötig, hatte wir seine Aufforderung doch bereits vernommen. ‘Blut von eurem Blute…!’
Als der Wächter an meinem Herrn vorüberging versuchte mein Herr einen Schritt nach vorne zu machen, doch der Samen zu seinen Füßen hatte bereits gekeimt und die Triebe schlangen sich um seine Füße, so dass er nicht weitergehen konnte. Er wehrte sich gegen die Wurzeln und fiel dabei auf die Knie. Ich linste nach hinten und sah, dass die Säerin zu ihm hinüber getreten war, sie strich ihm über die Wange und nickte ihm zu.
Die Wächter waren mittlerweile weitergegangen. Einer nach dem Anderen wurde von den Wurzeln in die Knie gezwungen. Bei dem einem oder anderen Druiden zögerten die Pflanzen.
So wie es kommen musste, waren sie beim Botaniker angekommen. Er strich sich ganz ruhig die Ranken von den Beinen und schritt in den Kreis, um seine Grube zu graben.
Mein Herr konnte aus seiner derzeitigen Position nicht entfliehen und musste mit ansehen, wie sein Botaniker sein eigenes Grab schaufelte. Als er fertig war, stellte er sich hin und blickte den Wächter zu seiner Linken an, zwischen Ihnen lag der Leichnam des Wächter des abhandengekommenen Urtum und der junge Juniper und der andere Wächter, der übrigens Dianthus hieß, hoben den Leichnam in die Grube. Juniper schaufelte liebevoll Erde auf den toten Wächter.
Ich war mittlerweile aufgrund der Ranken auch auf die Knie gesunken und versuchte mich immerzu umzudrehen, um etwas zu erhaschen, was im Kreis geschah. Ich würde es noch bitter bereuen, weil die Genickstarre schleppte ich die nächsten Tage mit mir rum.
Als Juniper fertig war, setzte er einen Samen auf das frische Grab und die Säerin goss den Keim, auf das ein Spross wachsen sollte.
Ich hatte im Übrigen selten so ein wortkarges Ritual erlebt. Nur die Trauergesänge der Mapori Weibchen begleiteten das Geschehen.
Der andere Wächter und der Botaniker ließen jeweils einen Samen in das kleine Loch fallen, dass Juniper zuerst gebuddelt hatte.
Dianthus stellte sich breitbeinig über das Grab seines Freundes und berührte den Botaniker und den anderen Wächter an der Schulter, beide nickten. Dianthus schritt einen Schritt zurück, streckte seine Arme aus und schon schossen Ranken aus seinen Fingerspitzen und durchbohrten den Botaniker und den Wächter.
Mein Herr bäumte sich nochmal auf und versuchte sich von den Ranken zu befreien, doch sie hielten ihn unerbittlich fest. Als das Blut des Botanikers über die Hände des Wächters ran, bettete er die beiden Körper fast schon zärtlich in ihre Gräber. Dabei befreite er die mittlerweile leblosen Körper der beiden freiwilligen Opfer von seinen todbringenden Fingerspitzen. Juniper und Dianthus schaufelten die Gräber zu, setzten jeweils einen Samen ein und legten am Ende selbst die Grasnarbe wieder auf die Gräber. Am Ende blieb nur das kleine Loch übrig, das Juniper vorhin gegraben hatte.
Der Phönix der Asche stand plötzlich vor dem äußeren Kreis und nickte der Säerin zu, er machte sich ein paar Notizen und verschwand wieder.
Nun warf jeder der Beiden auch einen Samen in das kleine Loch und stellten sich links und rechts von dem Loch auf.
Die Säerin goss indes die andern beiden Gräber und schritt dann zu meinen Herren hinüber und wies auf das kleine Loch.
Die Ranken ließen ihn endlich frei, doch er blickte die Säerin fragend an. Sie hielt ihm die Hand hin und gab ihn zu verstehen, dass es nun an ihm war seinen Teil dazuzugeben.
Mein Herr stand mit Tränen in den Augen auf, blickte mich kurz an und ging dann zu Juniper und Dianthus hinüber. Er zog seine Fibel von seiner Tunika und rammte sich die Nadel mehrmals in die Handfläche. Dann ließ er die Fibel einfach fallen und presste seine verletzte Hand zu einer Faust zusammen, bis sein Blut in das Loch tropfte. Die Säerin geleitete ihn an seinen Platz zurück und brachte den Nächsten vor das Loch im Boden.
Es war mittlerweile schon dunkel geworden und so brachte jeder an diesem Abend sein Opfer dar.
Am Ende kam Erde drauf und die Säerin goss die Gaben.
Schrieb ich doch an diesem Tage zweimal in deine Seiten. Nachdem ich die Hälfte dieser Geschichte geschrieben hatte, machte ich mir wieder Notizen über die Wege des Sumpfes. Ich hatte mir auch die Felsformationen in der Ferne ganz genau aufgezeichnet, doch im Morgennebel konnte ich nur eine der Spitzen der Klippe erkennen, die auch am anderen Ende des Sumpfes den Morast begrenzte. Aber das genügte mir.
Ich lief am 11. Tage in den Sumpf und ich war mir nicht sicher, ob ich am Ende dieses Tages immer noch im Sumpf sein würde, oder ob ich diesen Schlamm bereits hinter mir gelassen hatte. Als der 11. Tag verging saß ich immer noch im Sumpf. Es ging alles ziemlich langsam voran, weil der Nebel mich ziemlich behindert hatte.
Ich war am Ende dieses Tages, völlig entkräftet und durchnässt irgendwo angekommen, wo ich zumindest Rast machen konnte, ohne über Nacht im Schlamm zu versinken. Ich versuchte ein kleines Feuerchen zu machen und fing mir widerwillig ein paar Frösche, die gar nicht mal so scheiße geschmeckt haben.
Wie gerne wäre ich bei dir, ich vermisse dein leises Schnarchen.
Tag 10 Und weiter gehts. Ich bin heute morgen den Felsen hinaufgeklettert und hab ein paar Vogeleier zum Frühstück verspeist. Ich konnte
den Sumpf nicht umgehen, weil der Felsen den Sumpf einrahmte und die Klippen am Sumpfrand viel zu steil abfielen. Der Sumpf hatte sich im Delta eines enormen Flusses gebildet, dessen viele Arme sich tief durch die Landschaft gefressen hatten.
Ich blickte den halben Tag wie ein Wahnsinniger auf den Sumpf und am Ende hatte ich einen Plan. Es war kaum zu glauben, aber es gab tatsächlich einen Weg durch den Sumpf. Einen Weg, viele Wege. Es war ein Labyrinth von unzählig vielen Möglichkeiten. Ich habe mir alles so gut wie es mir möglich war aufgemalt.
Halbwegs frohen Mutes kletterte ich also wieder vom Hügel hinunter und verpackte zuerst alle Papiere in ein Stück Leder, so dass sie möglichst wasserdicht verpackt zu sein schienen. Nur das Papier mit der Skizze vom Sumpf behielt ich in meiner Tasche, so dass ich jederzeit darauf blicken konnte.
Dann lief ich zum Strand und sammelte alles was sich zu essen lohnte, weil sonst müsste ich mich die nächsten Tage nur von Fröschen ernähren. Dann füllte ich das frische Wasser, das vom Felsen kam, in meine Flasche, meinen Topf und in ein paar von den leeren Nüssen und ich trank mich nochmal richtig voll. Die Sache mit dem Wasser machte mir echt große Sorgen, aber mehr Wasser konnte ich nicht mit mir schleppen. Aber alles besser als nichts zu tun, der Stillstand würde mein sicherer Tod sein. Einer verrückten Idee folgend sammelte ich so viele Muscheln in meine Taschen, wie ich finden und tragen konnte und so machte ich mich also einigermaßen wissbegierig auf in den Sumpf.
Die Wege waren einigermaßen unbewachsen. Es war zwar kein Halm oder Blatt geknickt, aber die Wege waren frei von Unkraut. Ich war also nicht alleine hier. Mir war nicht ganz klar, wer hier lebte, ob es die Mapori waren oder jemand anderes. Ich blickte also wachsam immer wieder hinter mich, ich konnte aber niemanden sehen.
Vielleicht kamen ja diese wandelnden Büsche aus dem Sumpf. Ach von den Büschen hab ich ja noch gar nichts geschrieben, geliebte Erika. Die Büsche hätten dir gefallen, die waren groß, ziemlich ruppig und ziemlich leise. Sie waren keiner Sprache mächtig. Obwohl sie anscheinend miteinander kommunizieren konnten, verständigten sie sich gegenüber Fremden nur mit harten Hieben.
Die Säerin, wie die Wächter der Urtümer und selbst die Mapori schienen sie zu verstehen, das heißt aber noch lange nicht, dass sie immer alles taten was die Mapori von ihnen verlangten.
Aber selbst die Büsche waren im Sumpf nur Büsche und hatten keine Arme und keine Beine und sie verfolgten mich auch nicht, weil sie fest mit dem Morast verwurzelt waren. Ich irrte also den ganzen Tag durch den Sumpf immer die Wege und den Zettel im Blick und ansonsten immer wachsam auf alles was um mich herum raschelte. Ich hab mich eigentlich kaum verlaufen, doch der Sumpf war ein unerbittlicher Gegner. Es gab viele Wege die von oben so aussahen, als wären sie einfach begehbar gewesen, doch ich machte mich bei der Durchquerung nicht nur einmal nass. Ich musste auch mit dem Gedanken spielen, dass ich wenn ich weiter in den Sumpf vordringen würde, ich mir irgendwann ein Floss bauen musste.
Doch blieb ich mit meiner Paranoia alleine, das blöde Gefühl in meiner Magengegend wollte einfach nicht vorübergehen, also blickte ich mich immer und immer wieder um. Doch da war nur ich. Ich und dieser Zettel an den ich mich klammerte. Und langsam kam auch mein Hunger und mein Durst. Ich hatte den Topf, die Nüsse und die Flasche bereits geleert. Doch dieses Brackwasser aus dem Sumpf wollte ich noch weniger Trinken, wie das Meerwasser sich zu trinken lohnte.
Obwohl ich allein auf weiter Flur war, bekam ich das Gefühl einfach nicht los, dass ich doch beobachtet wurde. Doch lief ich weiter auf dem Weg, weil ich hatte mir meine Route in Gedanken ganz genau durch dieses Labyrinth gelegt und wollte noch an dem Punkt ankommen, den ich von meinem Aussichtspunkt auf dem blanken Felsen aus hatte sehen können.
Ich kam am Abend endlich dort an und genau wie ich vermutet hatte, war dort ein kleiner Hügel mitten im Sumpf. Auf der kleinen Anhöhe schlug ich mein Lager auf und machte ein kleines Feuer in einer Felsnische, um mir ein Wenig zu essen zu machen. Obwohl ich auf jeden Fall alleine war auf diesem Hügel, kam ich mir immer noch beobachtet vor. Ich traute mich kaum zu schlafen, deshalb schrieb ich noch diese Zeilen.
Wollt ich doch noch mehr erzählen von den Vorkommnissen die uns auf Secundum so mitrissen:
Des Spannens müde geworden, ließen die Mapori irgendwann die Bögen sinken, doch mein Herr hielt die Säerin immer noch in seinen starken Armen. Er war über und über mit Buschwindröschen bedeckt.
Wäre ich ein Maler, dann würde ich ein wunderschönes Bild davon zeichnen. Nun bin ich aber nur ein dummer Metzger und um jedes der Worte verlegen, die mir einfach nie über die Lippen gekommen wären, wenn sie mir schon die Schamesröte ins Gesicht trieben, wenn ich nur davon schreibe.
Dieses entzückende kleine ätherische Wesen, war wirklich so ein armes Pflänzchen, so dass jeder hier auf dieser Wiese sein Leben für sie gegeben hätte. Und selbst wenn die Wächter im Reich der Asche uns irgendwann nicht wieder zurückschicken würden. Den wahren Tod hätten wir genommen, nur um sie wieder Lachen zu sehen.
Denn dieses traurige Bild lies selbst die stärksten Recken dahinfließen und die ärgsten Feinde lagen sich in den Armen und konnten ihre Tränen nun auch nicht mehr zurückhalten. Auch wenn nie einer dieser wackeren Männer auch nur ein Wort darüber verlieren würde, wie nah sie alle an diesem Tag am Wasser gebaut waren, so vergossen sie alle an diesem Tage ihre Tränen über den Buschwindröschen, die mittlerweile die ganze Lichtung schier überfluteten. Und so schworen sie bei ihrem armseligen Leben, ihren Ahnen und ihren Göttern, ihre Kraft und ihr Können für diese eine Sache in die Waagschale zu werfen. So halfen sie auch alle mit, das Unrecht wieder ungeschehen zu machen, auch wenn diese Aufgabe uns alles und noch viel mehr abverlangen sollte, was wir bereit waren zu geben.
Langsam kam Bewegung in die Sache. Die Druiden untersuchten den ganzen Platz und die Alchemisten nahmen Proben von dem schillernden Schleim, während die Späher die Umgebung im Auge behielten und die Krieger sich berieten.
Die beiden verbleibenden Wächter des Urtums kamen zu der Säerin, die immer noch im Arm meines Herren lag und gaben sich irgendwie wortlos zu verstehen und mein Herr behauptete danach steif und fest, dass er jedes Wort verstanden hatte, dass die Wächter dem Buschwindröschen zugeflüstert hatten. Es wäre an der Zeit gewesen einen weiteren Wächter in unsere Mitte zu holen, erzählte er mir später.
Die Säerin hatte sich aus seiner Umarmung gelöst, blickte sich um und stand dann auf, als würde sie schlafwandeln. Sie ging zu einem der beiden Spähern, die immer an der kleinen Brücke standen, um den Weg zur Himmelstreppe zu bewachen, so dass kein Unbefugter über den Pfad hinauf gelangte.
Sie stellte sich vor den Größten der beiden und blickte ihn von unten aus an, denn die Säerin sah noch kleiner aus, als sie so vor ihm stand. Dieser eine Mapori hießt Juniper und er war zwar noch jung, doch schien er seine Arbeit wirklich gut gemacht zu haben, denn die beiden verbleibenden Wächter gingen mit ihm die Himmelstreppe hinauf. Doch die Säerin kam wieder zu Quain und sprach zu ihn: ‘Wir werden einen neuen Urtum pflanzen müssen, dazu brauchen wir einen geeigneten Ort, um den heiligen Samen in reine Erde zu pflanzen und gutes Wasser um ihn zu wässern, Blut von meinem Blute und Blut von deinem Blute und vieles mehr wenn es von Nöten ist.’
Quain nickte ihr zu und stand auf. Ein kurzer Pfiff und ich und der Schreiber kamen angelaufen. Der Schreiber, dessen Namen ich bis jetzt gar nicht genannt hatte, weil ich mich bis jetzt nicht recht traute seine Geschichte niederzuschreiben. Also Alram Großer-Fettweißer war der Schreiber meines Herren und bestenfalls war er es immer noch. Er war es der wegen seiner Papiernotizen den ersten ernsten Eklat mit den Mapori verursachte.
Kurz gesagt, nachdem er sich geweigert hatte, sein Notizbuch in den Kreislauf zurückzuführen, zog die Säerin von dannen. Doch Quain schickte ihn umgehend zurück ins Lager, weil er hoffte, sie würde sich wieder beruhigen.
Das war nicht der Fall und wir gingen unverrichteter Dinge wieder zurück ins Lager. Der Schreiber hatte seine Papiere bereits vergraben und wie ich glaube zu Beginn schon schrieb, schrieb Alram ab diesem Zeitpunkt nur noch auf seiner Hand, um es im Lager dann auf eine alte Schweinehaut zu übertragen.
Am nächsten Tag gingen wir wieder zum Lager der Mapori in der Hoffnung, die Säerin wäre nun besser gelaunt als gestern. Mein Herr hatte mittlerweile unseren eigenen Botaniker im Lager des Krieges eingeschleust, um das Vorkommen neuer Blumen zu untersuchen. Dieser Botaniker mit dem blumigen Namen Reiner-Maria Wiederneit-Hanfgarn hatte doch tatsächlich einen Samen einer dieser seltenen Pflanzen auflesen können und seinem Herren bringen lassen und das alles ohne aufzufliegen innerhalb eines halben Tages und einer Nacht.
Mit diesem Samen sprachen wir bei den Mapori also wieder vor und kamen zumindest weiter, als gestern. An der kleinen Brücke, die über den Bach zur Himmelstreppe hinaufführte, bat man uns alle Waffen abzulegen. Wir waren mit zwei seiner besten Kämpfer unterwegs gewesen, die nur widerwillig ihre Waffen an der kleinen Brücke abgaben und darauf bestanden mit Rüstung den Weg hinauf zur Säerin anzutreten.
Fünf gingen hinauf und nur drei kamen an. Naja, sagen wir mal so, der Weg war ohne Rüstung schon hart genug und ich war heilfroh, dass ich nicht auch noch meinen Herren den Berg hinaufschleppen musste, hatte ich mit dem Schreiber genug zu schleppen. Ihm ging es auf dem Weg hinauf gar nicht gut, das schlechte Gewissen hatte ihn gepackt und sein Gemüt machte einen Wandel durch, so dass er den Weg ohne meine Hilfe nie bis ganz nach oben geschafft hätte.
Oben angekommen, war mein Herr bereits in einer demütigen Haltung zusammengesunken und ich bemerkte erst recht spät, dass ihm bereits aufgegangen war, warum die Säerin am gestrigen Tag so überzogen reagiert hatte. Sie wollte uns alle zum Nachdenken bringen, welche Ressourcen wir jeden Tag im Namen unseres Aeon verschwendeten und ohne über das Gleichgewicht nachzudenken uns in den Wettstreit stürzten.
So brachte die Himmelstreppe uns nicht nur zum Nachdenken, sondern brachte uns auch dazu demütig auf allen Vieren vor der Säerin um Vergebung zu bitten.
Mein Herr erzählte von dem Gerücht, dass im Lager des Krieges unbekannte Blumen an der Stelle wuchsen, wo der Altar erschienen war. Neugierig schenkte sie uns ihre Aufmerksamkeit. Als mein Herr ihr dann lächelnd den Samen einer dieser Pflanzen übergab, sprang sie auf und lief behände die Himmelstreppe hinab, um dann den Samen vor unseren Urtum einzubauen.
Der Weg hinunter war zwar nicht so schwer, aber brauchte mehr Aufmerksamkeit. Also war der Weg nach unten irgendwie genauso anstrengend, wie der Weg nach oben. So ist es doch eine Prüfung für Körper und Geist, wenn man die Himmelstreppe heil wieder runterkommen will.
Die Belohnung dafür war, dass der Wächter des Urtum uns anblickte, aber nicht mit uns sprach. Also zogen wir wieder von dannen, um am Nachmittag mit Wasser vom Brunnen in der wandernden Stadt wiederzukommen, um den Samen zu gießen. Unsere Druiden taten ihr Möglichstes und brachten den Samen zum Keimen und dann endlich sprach der Urtum mit uns, um wenige Stunden später für immer und ewig aus unserer Mitte gerissen zu werden.
An dem Punkt wo ich eigentlich stehengeblieben war, rief mein Herr, um uns von dem Vorhaben der Säerin zu berichten. Wir sollten den Botaniker kontaktieren, er solle alle drei Samen der unbekannten Pflanzen besorgen und auch wenn er auffliegen würde, sollte er einen Weg finden, um so schnell wie möglich hier her zu kommen. Ich sollte mir einen Trupp zusammenstellen und genug Wasser vom Brunnen hier her bringen, sicherheitshalber sollte ich auch Wasser vom großen Fluss holen und von dem anderen Bach, der das Gebiet des Wettstreites auf der anderen Seite begrenzte.
Den Schreiber beauftragte er mit einem weiteren Trupp Erde, Lehm, Sand und Torf von allen vier Himmelsrichtungen zu holen.
Dann ging mein Herr zu seinen Druiden und bat sie, die Energielinien auf Unregelmäßigkeiten zu untersuchen und sie sollen eine weitere Schnittstelle finden, wo sich die Linie unseres Aeon mit der Linie des Aeon unserer direkten Widersacher noch einmal kreuzen würde.
Am Ende dieses Tages kamen wir alle wieder zusammen. Die Säerin prüfte die Erden und das Wasser und nahm die Samen entgegen und ging sich mit den Wächtern der verbleibenden Urtümer beraten...
Tag 9 Schmerzen zwischen den Ohren und die grelle Fratze am Himmel, will mir mein Augenlicht rauben. Dieser Morgen war grauenhaft zu mir und ich stand nur wiederwillig auf.
Einerseits wollte ich den Bericht weiterschreiben, aber andererseits wollte ich weitergehen und sehen, was sich hinter dem Felsen befand, der vor mir im Meer verschwand. Außerdem plagte mich nicht nur mein Kopf, sondern auch der Durst.
Die Sonne war an diesem Morgen genauso unerbittlich, wie die Flut. Ich kletterte also an der Klippe entlang, bis das Wasser endlich zurück ging. Ich war durchgeschwitzt und durstig. Ich muss sterben.
Heute war der Punkt an dieser Reise, wo ich das erste Mal dachte ich würde es nicht schaffen. In meiner Verzweiflung trank ich den Schnaps, doch der Durst ging nicht fort. Nun war es mir auch noch schlecht. Die Sonne hasst mich heute. Jetzt wären mir ein Scharmützel mit ein Paar Mapori lieber, als am schönsten Strand der Welt zu verdursten.
Den Hügel vor mir sah ich jetzt schon doppelt und den Versuch das Meerwasser zu trinken, bereute ich noch bitterer.
Ich ließ mir das Frühstück, dass ich an diesem Morgen gar nicht hatte, wieder durch den Kopf gehen. Was würde ich jetzt für eine dieser Nüsse geben.
Ich kroch noch eine Weile im Schatten des Felsens entlang, bis mich auch mein stetiger Begleiter verließ und mir wieder die Sonne auf den Kopf strahlte. Nun kroch ich auf dem blanken Felsen entlang. Der Stein war vom Meer wie blank poliert, ich konnte mein Spiegelbild darin sehen. Ich sah grauenhaft aus, geliebte Erika. Mein Bart und mein Haar waren zerzaust, den Hut muss ich mittlerweile verloren haben. Mein Gesicht war knallrot und meine Lippen aufgesprungen und blutig. Das Einzige was ich noch besaß war die Tasche mit den Schreibutensilien und meinen Messern, meinen kleinen Topf und die Axt hing noch an meinem Gürtel.
Ich muss auf dem glatten Felsen zusammengebrochen sein, weil als ich erwachte, lag ich dort immer noch. Etwas tropfte auf meinen Kopf. Immer und immer wieder. Wasser ran über mein Gesicht.
Erst als die Sonne am Horizont unterging, begriff ich, dass das Wasser, das über mein Gesicht ran nicht salzig war. Ein Bächlein hatte sein Ende gefunden und zwar genau über mir und sein Wasser ran vom Berg hinunter, direkt auf mich hernieder.
Ich trank so viel Wasser bis es mir bei der Nase wieder heraus kam. Mein Atem ging so schwer, ich hatte das Gefühl ich würde keine Luft mehr kriegen. Erst als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich mich um. Hinter dem Felsen konnte ich über ein weitläufiges Sumpfgebiet blicken.
Erika, wenn der letzte Tag nicht schon die Hölle war, werden die nächsten Tage es bestimmt werden. Jetzt sitz ich auf dem blanken nassen Felsen und das Feuer, dass ich zustande gebracht habe, wärmte mich nicht wirklich, aber zumindest trocknete es deine Seiten.
Ich hoff du kannst meine Worte noch lesen, geliebte Erika. Ich vermisse dich,