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An den Patriarchen des Kruk Zakon (orgulistansicher Orden des Raben) gerichtetes Schreiben:
An seine Heiligkeit,
wie Ihr in Eurer unendlichen Weisheit wisst, ist der Ellenbogen dem Munde nahe und
dennoch kann man nicht selbst hineinbeißen.
Unsere Fortschritte innerhalb des vom Raben und den sieben wahren Gottern Orgulistans
verlassenen sogenannten Reichs der Asche sind leider als sparlich zu bezeichnen. Die Barriere
zwischen den Inseln der Macht und den anderen uns bekannten Welten scheint nach
eingehender Prufung durch die von uns beauftragte Fachabteilung der Akademia Magulsitan,
als nicht mit herkommlichen arkanen Mitteln zu umgehen oder zu beseitigen sein.
Ich zitiere den federfuhrenden Magister der arkanen Analyse: „Prima facie erscheint es
evident, dass die Globulis minior, in welchem das gefundene und die hypothetisch
konfidierten Insulate liegen, durch eine nicht arkane, moglicherweise auch spirituelle
Potentia umgeben sind. Die ausfuhrliche lege artis Examinatio basiert eindeutig auf einem
Xenophon, der eine transzendete Umgehung der Sphaira mittels Magica moventia
unterbindet. Die duratio effectionis scheint potentiell unendlich, beinhaltet allerdings einen
temporalen Kasus Knaxus.“ Zitat Ende.
Auf erneute Nachfrage nach dem Sinn seines unglaubigen Gestammels gab mir der
investigative Magus zur Antwort, das Phanomen wurde sich aller Wahrscheinlichkeit von
selbst losen. Wir sollten einfach warten.
Die Beratung mit dem Inquisitor, welchen Eure Heiligkeit so weise waren uns an die Seite zu
stellen, resultierte in der einzig praktischen Vorgehensweise. Wir vergroßern die Anzahl der
zur Verfugung stehenden Aschelaufer und schulen diese noch intensiver darin, die im Reich
der Asche gefundenen Seelen zu konvertieren. Ziel ist es die reuigen Seelen dazu zu bewegen
die als Wachter bekannten transzendenten Wesen innerhalb des Reichs der Asche
anzuflehen sie passieren zu lassen um ihr angestammtes Jenseits zu erreichen.
Bedauerlicherweise muss ich vermelden, dass trotz intensivem Gebrauchs der Zuchtigung
bei den Seelen selbst und auch bei den Aschelaufern, die Konvertierungsraten noch immer
unter funfzehn Prozent liegen. Es scheint fast als ware diese Welt von
Lebendigkeitsbesessenen bevolkert.
Ich hoffe Euer Gemut allerdings mit der frohen Kunde aufmuntern zu konnen, dass die
postmortale Untersuchung seitens der Inquisition bezuglich Prior Sacharew zu folgenden
Ergebnis gekommen ist. Der Prior hat mit seiner Unfahigkeit die Seelen innerhalb des Reichs
der Asche zu halten und seinem Versagen bei der Konvertierung der Wachter hin zum
wahren Glauben, keine indirekte nekromantische Handlung vollzogen wie zunachst gedacht.
Der dem reinigenden Feuer uberantwortete Leichnam des Prior wurde von seiner Exzellenz
dem hohen Inquisitor post mortem vom Vorwurf der Ketzerei und Nekromantie
freigesprochen. Moge der Rabe seine Seele geleiten.
Ich hoffe Euch in Kurze mehr Bericht erstatten zu konnen.
Ergebene Grusse
Prior
Notiert von einem unbekannten orgulistanischen Schreiberling
Ein geordneter Garten
ein jeder Streiter hat seine gewisse Eigenheiten, was die Beziehung zu seinem Aeon angeht und so ist es nicht verwunderlich, dass es darüber einige Geschichten zu berichten gibt. Eine dieser Geschichten handelt von Rosmerta, die Erste Streiterin der Ordnung war. Ist es schon bemerkenswert, dass eine Kämpferin sich auf diesen steinigen Weg gemacht hat, so ist Rosmerta eine besondere Person. Sie hat sich in akribischer Vorbereitung den Platz als erste Streiterin erkämpft und sorgte dafür, dass die Reihen ihres Lagers im Kampf um die Erste Insel kaum aufzuhalten waren.
Doch in ihren müßigen Minuten suchte sie einen ruhigen, abgeschiedenen Platz und ordnete sich ihn ihrem Geist unter. Diesen Ort gestaltete sie zu ihrem persönlichen steinernen Garten um. Es war ihre Rückzugsort und ihr innigster Platz, um mit ihrem Aeon in Kontakt zu kommen. Das Plätschern des Wassers, dass in der Nähe floss und der Wind auf ihrem freien Körper halfen ihr, ihre eigenen Gedanken zurück zu lassen und sich dem Aeon zu öffnen. So kam sie mit einem stillen und unergründlichen Lächeln aus diesen Kontakten hervor, um dann den Feinden der Ordnung mit erstarkter Kraft und unbeugsamem Willen entgegen zu treten.
Kommt nach Primum, haben Sie gesagt! Da erntet Ihr Ruhm und Ehr, haben Sie gesagt!
Da erlebt Ihr Abenteuer, die Ihr Euren Kindern und Kindeskindern noch erzählen könnt, haben Sie gesagt!
Aber was mich auf dieser unsäglichen Insel dann erwartet hat, schlägt dem Fass den Boden aus. Wenn ich meine Kinder je wiedersehen sollte, dann werde ich ihnen bestimmt nichts davon erzählen.
Zunächst haben sich alle Mannen meines Kriegszuges aufgeführt, wie Matrosen auf Landgang. Nun gut, wir waren ja schon ein paar Wochen mit dem Schiff unterwegs, ehe unsere Gallionsfigur durch den Nebel stieß und wir einen ersten Blick auf diesen kahlen Felsen werfen konnten.
Die paar grünen Halme waren ziemlich giftig und bescherten mir die ersten Tage und Nächte auf dem Donnerbalken.
Etwas geschwächt, konnte ich am 3. Tage meine eigentliche Arbeit aufnehmen. Ich war der Foltermeister des Kriegszuges. Doch zu tun hatte ich erstmal eh nichts.
Ich frug mich bis heute, warum ich in die Wälder ging. Auf eine blödere Idee hätte ich kaum kommen können. Ich hätte meinen haarigen Hintern im Lager lassen sollen und nicht den Abenteurer spielen. Aber da war dieses Gerücht. Von dem Baum, den keines Mannes Axt zu fällen vermag. Das hört sich verdächtig nach einer Eisentanne an. Für die Temperaturen, die es auf diesem sonnigen Fleckchen Erde hat, sind Eisentannen eigentlich nicht gemacht.
In meinem Kopf surrte die Idee eines enormen Schlagstockes aus einem daumendicken Ast einer Eisentanne umher. Dabei hätte ich mich eher fragen sollen warum diese Eingeborenen einen Mundschutz trugen.
Als ich in der Abenddämmerung im Schatten einer enormen Buche auf eine buntschillernde, bovistartige Morchel stieg, wusste ich warum. Zum Glück bin ich daran nicht gestorben, aber den alptraumartigen Rausch den ich die ganze Nacht durchlitt, möchte ich nicht nochmal durchleben.
Aber nun hab ich wieder etwas für mein Handwerk gelernt. Was man in der Abenddämmerung mit den Pilzen alles machen kann, am Tag bei Sonnenschein, hätten mich die Sporen des Pilzes wahrscheinlich umgebracht und wenn man im Mondenschein daran schnüffelt, dann hat man die süßesten, rauschartigsten und feuchtfröhlichsten Träume, die je ein Mann zu haben schien.
In meinem Träumen lag ich unter dem mächtigen Stamm der Eisentanne meiner Träume und meine Axt ging wie Butter durch den Stamm. Und die Kopfschmerzen, die ich danach hatte, konnte niemand lindern. Und ich war mir nicht mehr sicher, ob es wirklich eine Buche war, in deren Schatten ich auf dieses obszöne Pilzgewächs trat.
Ein Gewitter zog auf und die Buche, die ich suchte, wird doch eine Eiche gewesen sein. Die Eisentanne hab ich leider nicht gefunden.
Als ich wieder unter den Lebenden weilte, hatte mein Heerführer einen Auftrag für mich. Ich sollte warum auch immer einen dieser Eingeborenen foltern.
Mein Gewissen plagte mich nur ein Wenig, weil sie es waren, die meinen desolaten Körper wieder ins Lager zurückschleppten.
Und zu meinem Glück war es augenscheinlich keiner von den Eingeborenen, die mit mir in die Wälder gegangen waren, es war der erste Krieger der Uth und er lachte immerzu, selbst als ich ihn mit seinem eigenen Steinseil fesselte.
Foltern, ja dass kann ich, also machte ich mich gleich ans Werk. Der Schreiber stand zu Beginn noch neben mir und versuchte dem Uth einige Fragen zu stellen, doch der Uth blickte uns nur versteinert an und sagte kein Wort. Immer wenn ich ihn mit meinem liebevoll zusammengetragen und mit viel Zuneigung gepflegten Werkzeug ein bisschen anzusporen versuchte, lachte er nur wieder.
Ich versuchte wirklich diesen Uth zu verletzen, mit allem was ich hatte. Und sein Gelächter kann ich immer noch in meinen Ohren hören.
Ich versuchte ihn solange mit allen geeigneten Mitteln zu foltern, bis mir mein Lieblingsmesser an ihm abbrach. Eine unglaubliche Wut überkam mich. Ja und ich vergoss die ein oder andere Träne, mein Messer begleitet mir schon länger als meine Frau und jetzt ist es hin.
Ich lief wutentbrannt zu unserem Koch und holte mir ein Fleischerbeil.
Dem Koch schulde ich ein neues Beil und der Uth schuldet mir meine Ehre.
Am Ende prügelte ich ihn mit einem Hammer, bis der Hammer vom Stiel abbrach und ich ihm mit der bloßen Faust eine verpasste.
Ich hatte noch nie in meinem Leben zu viel Schmerz erleiden müssen, wie als der Uth mich auslachte, weil meine Hand nach diesem Schlag anfing zu bluten. Ich glaube ich habe mir tatsächlich meine Hand an einem Uth gebrochen.
Ich holte mir beim Schmied eine Feile und nach stundenlanger, hingebungsvoller Arbeit, kam ich durch die steinerne Haut und mich glitzerte ein Tröpflein Blut für einen Moment an, bevor die Wunde sofort wieder versiegte.
Der Schreiber lag draußen vor dem Zelt und reiherte in einem Eimer. Der hält aber auch gar nichts aus.
Als wir den Uth wieder aus den Fesseln entließen, weil sein Stamm unsere Palisaden zerlegte, stand er einfach nur auf und ging zu mir rüber, lachte wieder und betonierte mir eine, so dass ich im wahrsten Sinne des Wortes aus meinem eigenen Zelt flog.
Aufgrund eines Kieferbruches konnte ich den restlichen Aufenthalt auf der Insel nur noch flüssige Nahrung zu mir nehmen. Und dieser Schnaps, den die Eingeboren bei Nacht tranken, brachte mich wieder unter den Stamm der Eisentanne, die vielleicht sogar eine Kiefer war.
Aber eines kann ich sagen, so wahr mir die Götter helfen, die Uth können bluten und ihr Blut ist rot, so wie das unsere.
Anmerkung des Schreibers: Meinen Vorschlag wir sollten den steinigen Eingeborenen einfach waschen, wurde bis zum Ende nicht beherzigt.
Wenn der werte Leser dieser Zeilen am Ende wie ich die Einsicht teilt, dass man nicht immer seiner Neugierde nachgeben sollte, dann habe ich heute nicht umsonst mein Leben riskiert. Im Nachhinein kann ich meine kleine Exkursion nur als dumm und überflüssig bezeichnen.
Gestern stellte ich einem der Uth die Frage, warum sie in Höhlen leben, wenn sie doch ständig Angst vor etwas haben, dass sie AAtTur nennen. Ich vermute, dass sie damit eine Art Flut meinen, die jeden Herbst über sie herein brechen kann und wohl durch heftige Regenfälle ausgelöst wird. Ich wollte wissen, warum sie sich nicht weiter entwickeln wollen. Damit habe ich ihn wohl beleidigt, da er mir lang und breit erklärt hat, wie viele Vorteile die Höhlen doch haben, vor allem als Schutz vor nächtlichen Angriffen durch Tiere.
Der Krieger meinte halb im Scherz, dass ich nur über den Fluß gehen müsste, da würde ich noch Uth finden, die nachts einfach auf dem Boden im Wald schlafen und keine Höhlen haben. Vielleicht hätte ich früher nachfragen sollen, warum alle Umstehende darüber gelacht haben und heute nicht einfach die Gelegenheit nutzen, als ich eine Furt über den Fluß gefunden habe, die man recht einfach durchwaten konnte.
Diesen anderen Uth-Stamm habe ich gefunden oder ich sollte besser sage, sie haben mich gefunden, als ich durch den Wald gestolpert bin. Sie waren mir gleich irgendwie unheimlich, wie sie wort- und lautlos aus dem Unterholz aufgetaucht sind, jeder mit einem Speer oder einer Keule bewaffnet. Ich habe versucht mich ihnen auf die Art der Uth vorzustellen, als ich aber hörte, wie sie hinter mir diskutierten, wie ich wohl schmecken würde, habe ich das schnell unterbrochen und möglichst schnell auf Uthisch gesprochen.
Es war wohl nicht so sehr mein Vortrag, über meine Zeit mit den anderen Uth oder die Erzählungen vom Phönix, die ich beim Turnier getroffen hatte, es war der Proviant, den ich dabei hatte, der mein Leben gerettet hat. Zum Glück hatte ich genug für die drei Krieger dabei und die Flasche Himbeerbrand, die ich dem ersten Krieger heute Abend schenken wollte, tat ihr übriges.
In meiner Not habe ich angefangen die kurzen Witze und Geschichten von KoTi zu erzählen, die mir noch in Erinnerung waren und einige davon waren ihnen scheinbar noch nicht bekannt. Sie erzählten dann auch ihre KoTi Geschichten, wobei mir auffiel, dass ihre Aussprache und ihre Worte deutlich rauer und einfacher waren als ich es vom anderen Uth-Stamm gewohnt bin. Auf jeden Fall lachten sie immer lauter und als sie sich nach einiger Zeit im wortsinne auf dem Boden rollten, habe ich mich möglichste leise empfohlen und bin schleunigst wieder über den Fluss gewechselt.
Wenn ich LiNoUt richtig verstanden habe, treffen sich die Uth-Stämme nur alle paar Jahre oder Jahrzehnte einmal, wenn die Flüsse auf der Insel austrocknen. Die Flüsse sind sonst so etwas wie unüberwindliche Barrieren. Die Uth sind der Meinung, dass Stein nicht schwimmt und sich bei all dem Gift den Schutz von den Beinen zu waschen ist auch keine gute Idee. Wissen verbreitet sich also nur ganz langsam zwischen den einzelnen Stämmen und auch die Phönix scheinen nur dann mit ihnen zu reden, wenn es sein muss. Den Rest unseres Aufenthalts werde ich mich auf jeden Fall auf “unseren” Uth-Stamm konzentrieren.
gezeichnet
Tir Bel'Sal
Erster Schreiber der Expeditionstruppen
Heute kann ich nicht nur von einer Uth Legende berichten, nein, ich kann dem auch meine eigenen Erfahrungen hinzufügen. Es hat einen ganz eigenen Reiz nicht nur die Berichte aufzuschreiben, sondern selbst tief im Wald nach einem Geheimnis zu suchen, aber ich muss mich zügeln und der Reihe nach berichten.
Wie der werte Leser aus meinen bisherigen Berichten erfahren kann, haben bisher meine Entdeckungen und Aufzeichnungen kein Interesse bei der Führung unseres Lager wecken können. Vielmehr wurde mir mehr oder weniger freundlich mitgeteilt, dass ich, wenn ich schon meine Zeit nicht zu nutzen weiß, wenigstens nicht auch noch die Zeit anderer verschwenden solle.
Auch die letzten Tage ist nichts interessantes im Lager passiert, neben den ständigen Versammlungen und Reden, wer wen wann angreift sind es hauptsächlich die Turniere, mit denen sich die meisten beschäftigen. Ich habe diese Tage genutzt, um mit den Uth ihre Jagdgebiete zu besuchen und sie dort zu beobachten. Dabei sind wir teilweise tief in den Wald vorgestoßen auch wenn wir den großen Fluß dabei nie überquert haben. Zuerst dachte ich unsere Expeditionen seien auch sicherer als mich in der Nähe der Kämpfe aufzuhalten, aber weit gefehlt.
Es ist erstaunlich was hier alles ein tödliches Gift enthält und bestrebt ist den Wanderer damit umzubringen. Unser Alchemist ist völlig überfordert, er weiß nicht wo er anfangen soll zu forschen, katalogisieren und auszuprobieren. Im Moment beschränkt er sich hauptsächlich darauf zu sammeln. Auch die Uth nutzen viele Pflanzen des Waldes, einige kenne ich mittlerweile. Da wäre zum einen der UtOs, ein sehr großer, grauer Pilz, der fast so hart wie ein Stein ist. Die Uth ernähren sich hauptsächlich von diesem Pilz, den sie einige Tage lang einweichen. Je dunkler der Pilz wird, desto reifer und giftiger ist er und man sollte die dunkelen am Besten ganz meiden. Es soll noch einen weiteren Pilz geben, den DurOs, mit dem die Uth ihr, nennen wir es Bier brauen, aber der ist relativ schwer zu finden und einige der Erklärungen darum verstehe ich nicht. Von den Tieren, die einen hier fressen wollen, berichte ich in einem anderen Schriftstück.
Gestern war es soweit und wir sind des nachts in den Wald gegangen, naja, zumindest hat es bereits gedämmert, als wir uns auf den Rückweg gemacht haben. So ein Verhalten gilt selbst bei den Uth als unbedacht und selbstmörderisch, aber ich musste dieses Risiko eingehen um meine offenen Fragen zu klären und eine bedeutende Entdeckung zu machen.
Wie ich bereits mehrfach für meinen werten Leser dargelegt habe, halte ich nicht viel von den KoTi Geschichten, die sich die Uth erzählen. Die meisten davon erscheinen mir eigentlich nur kurze Witze oder Fabeln zu sein, doch diese eine Geschichte war anders als die meisten, die ich erzählt bekommen habe. Diese Geschichte war zum einen viel länger und hatte eine Handlung im eigentlichen Sinn. Die Figur des KoTi hat hier tatsächlich einen Charakter. KoTi ist hier auch nicht der Sieger und entkommt dem Zorn des Phönix nur knapp.
Die Geschichte beginnt mit einem KoTi, der mit sich selbst spricht und sein Schicksal verflucht. Leider beschreibt er es nicht, sondern klagt hauptsächlich seine Hohepriesterin und den Phönix an; weswegen entzieht sich meinem Verständnis. Da er KoTi ist, hörte der Phönix ihm natürlich zu, wie er sich gegen das ihm zugedachte Schicksal auflehnt. Der Phönix zürnte KoTi diese Anmaßung und warf einen Feuerstein vom Himmel, der seine Holzhöhle zerstörte. Die Uth lassen KoTi also in einer Hütte im Wald wohnen, während sie sich selbst nachts nur in Höhlen verstecken. Wie sie diese Idee haben und auf der anderen Seite nicht im geringsten daran denken sie umzusetzen, lässt sich wohl nur mit ihrem Glauben an den Phönix erklären, von dem sie wohl denken, er wolle sie in den Höhlen wohnen lassen. Warum KoTi nachts alleine im Wald schläft ist dagegen einfach zu interpretieren, es soll deutlich zeigen wie stark und mächtig er ist. Die Geschichte schließt damit, dass KoTi dem Phönix nicht böse ist, da er eigentlich gar keine Höhle braucht und es nachts nicht mehr so dunkel ist, weil der Stein noch immer brennt.
Die Uth haben den Stein in ihrer Geschichte mit ToUm bezeichnet, also EinStarkerStein und das ist auch der Begriff den sie für unsere Waffen und Werkzeuge aus Metal verwenden. Interessiert habe ich hier nachgehakt und wollte genaueres über diesen Stein wissen. Zu meiner Überraschung haben einige der Uth Krieger mit großer Ernsthaftigkeit und Überzeugung geschworen, dass sie den Stein selbst gesehen haben und er immer noch mit dem Zorn des Phönix brennt. Ich glaubte in dieser Geschichte gäbe es einen wahren Kern: Es gibt den Stein tatsächlich und es handelt sich um Meteoreisen.
Nach der Beschreibung der Uth schätzte ich die Masse des Metalls auf einige tausend Grobunzen und damit konnte ich endlich Neugierde bei unseren Anführern wecken, oder war es nur Gier nach den Waffen die sie mit dem Meteoreisen schmieden wollten. Mir war es einerlei, ich durfte einen Trupp mit fünf Kriegern und einem Magier als Unterstützung für den gestrigen Abend zusammenstellen und befehligen.
Es hat mich einige Überzeugungsarbeit gekostet die Uth so weit zu bekommen, dass sie mein Unterfangen unterstützen. Wohl habe ich ihnen nicht gesagt, was wir mit dem Meteor vorhaben, sondern überzeugte sie vielmehr, dass es uns Besuchern von großem Nutzen sei, wenn wir die Macht des Phönix mit eigenen Augen sehen würden. Den Ausschlag hat aber LiNoUt gegeben, die sich für mich einsetzte und deutlich machte, dass sie das Brennen des Steins auch sehen möchte und wir deswegen bis zu Dämmerung bleiben müssen. Welch ein Glück ich habe ,einen solchen Freund bei den Uth gefunden zu haben.
So sind wir dann mit einigen Uth am späten Nachmittag zum Stein gegangen, der Weg war beschwerlich und ich war froh ihn einmal bei Licht gesehen zu haben. Wir werden wohl eine Stunde in völliger Dunkelheit zurück legen müssen und wir hatten deshalb ausreichend Fackeln mitgebracht. Ohne die Uth hätten wir wohl keine Chance gehabt die Stelle zu finden und auch die Warnungen, die sie uns gaben waren unschätzbar.
Zuerst dachte ich, dass sie übertreiben. In vielen großen Worten beschrieben sie wie stark der Zorn des Phönix noch in diesem Stein brennt und wie gefährlich es ist sich ihm zu nähern. Trotz meiner Skepsis vorsichtig gemacht, näherten wir uns dem Stein nicht sofort, sondern blieben wie die Uth wohl sechs Schritt davor stehen und beobachteten zuerst aus sicherer Entfernung. Wir konnten eine Libelle beobachten, die sich dem Stein zu weit näherte, ihn mehrmals umkreiste, immer unkontrollierter in ihrem Flug wurde, schließlich abstürzte und tot liegen blieb.
Es wäre wohl unser Verderben gewesen, wenn wir alleine hier angekommen und einfach auf den Stein zugelaufen wären. Der Effekt war auf den ersten Blick leicht zu übersehen. Der Stein liegt in einer kleinen Mulde aus nackter Erde und bis zu einem Abstand von einem Schritt findet sich nichts lebendes, nicht Tier, nicht Pflanze. Auch auf zwei Schritt scheint alles zu sterben, was zufällig in diesen Bereich kommt. Man konnte die vielen kleinen MeUd Knochen auch von unserer Warte aus gut sehen. Auch die nächsten zwei Schritte entfernt waren Pflanzen und Bäume verdorrt und krank und seltsam missgestaltet. Vor uns und rund um uns herum lagen einige der kleinen MeUd Felltiere, die die Uth essen, tot und ohne erkennbare Verletzung auf dem Waldboden.
Als wäre das nicht schon unheimlich und Warnung genug, konnte man einen deutlichen Hitzeschleier über dem Stein sehen. Der Stein muss sehr heiß sein um einen solchen Effekt auszulösen, ich habe so etwas nur bei glühendem Eisen gesehen. Der Magier, der uns begleitet hat, war so begierig auf Antworten, dass wir ihn zurück halten mussten, damit er nicht einfach in die tödliche Zone marschiert. Es war ihm nicht möglich eine Erklärung zu geben, außer dass es sich nicht um Magie im eigentlichen Sinne handelt.
Wir mussten nicht lange warten, bis es dunkel wurde, je näher die Dämmerung rückte, desto mehr der Uth Krieger verabschiedeten sich wortlos und verschwanden im Unterholz. Aber auch als sie alle gegangen waren blieb die junge Uth Priesterin bei uns. Sie sprach mir ihre Bewunderung aus, dass ich den Mut hätte auch bei Dunkelheit weiter nach der Wahrheit zu suchen, aber wenn ich ehrlich bin, dann war ich nur wegen der fünf schwer gerüsteten Krieger und dem Kriegsmagier so mutig.
Bewunderung habe vielmehr ich für diese mutige und edele Uth, die es schafft sich aus dem Aberglauben und den Beschränkungen ihrer Stammeskultur zu erheben und neues lernen kann. Immer wenn keine anderen Uth anwesend sind, fragt sie mich über unsere Sprache aus, lernt einige Wörter und ist fasziniert von der für sie ungewöhnlichen Grammatik. Ich bin mir sicher, dass sie damit ein Tabu, das vom Phönix auferlegt wurde, verletzt, deshalb werde ich unser Geheimnis wahren, solange ich auf der Insel bleibe.
Mit fortschreitender Dunkelheit, stieg ein leichter Nebel auf und dann haben wir den Stein leuchten sehen! Die Legende basiert tatsächlich auf einem wahren Kern. Eigentlich war es nicht so sehr ein Leuchten, denn mehr ein unwirkliches Strahlen, dass von der Luft um den Stein und nicht von ihm selbst ausgeht. Das Strahlen ist unsteht und verändert sich mit der Zeit und erleuchtet alles in einem unwirklichen blauen List. Wie schön LiNoUt in diesem blauen Licht ausgesehen hat, als sie völlig verzaubert das Schauspiel beobachtet hat.
Was immer dieses Licht auch bedeuten mag, es ist weder selbst magisch, noch scheint es von Magie erzeugt zu werden. Nun mag ein Kriegsmagier nicht unbedingt als Wissenschaftler gelten, aber es war ihm deutlich anzusehen, dass er begeistert war etwas zu entdecken, das er nicht erklären konnte. Er selbst ist denkbar ungeeignet den Stein zu analysieren und vor allem die offensichtlich schädlichen Austrahlungen abzuschirmen, aber er denkt er könnte ein Team aus unserer Expedition zusammenstellen.
Der Rückweg war zum Glück erfreulich ereignislos, was LiNoUt nicht davon abgehalten hat sich die ganze Zeit an meinem Arm fest zu halten. Nur einmal sahen wir eine Art Funkeln im Wald, es war leicht grünlich und LiNoUt bezeichnete es als HoUht, also eine Art großes Tier und sie zeigte ganz klare Anzeichen von Panik. Ich bin mir nicht sicher, ob das Tier durch unsere Schreie, die Armbrustbolzen oder den wirklich beeindruckenden Feuerball vertrieben wurde, auf jeden Fall sind wir sicher im Lager angekommen.
Ich kann meine Enttäuschung nicht wirklich in Worte fassen, dass der Hauptmann nicht zu überzeugen war, den Stein zu bergen. Unser Kriegsmagier hatte da weniger Probleme, seine Schmipftriade war vom linguistischen Standpunkt aus mehr als interessant. Er musste schließlich mit einigen seiner Kollegen entfernt werden, die ebenfalls nicht aufhören wollten auf den Lagerrat einzureden. Die einhellige Meinung war, dass es viel zu gefährlich sei sich mit den Besten unseres Magierstabes einer Nebensächlichkeit zu widmen. Die volle Konzentration müsse den Turnieren gelten und nichts dürfe uns ablenken.
Welches Mysterium wir hier auch wohl gefunden haben, es wird von uns nicht gelöst werden. Welche Macht einem Schwert aus diesem ungewöhnlichen Meteoreisen innewohnen würde, werde ich nie erfahren. Die magischen Möglichkeiten kann ich wohl nicht einmal abschätzen, doch die Reaktion der Magier mag ein Maß dafür sein. Ich bin mir sicher, dass diese Resource nicht lange ungenutzt sein wird.
gezeichnet
Tir Bel'Sal
Erster Schreiber der Expeditionstruppen
Nachtrag:
Tehman, bitte streiche die persönlichen Teile des Berichts, wenn Du die offizielle Schrift für die Expeditionsbücher erstellst. Behalte diesen Text bei den Abschriften, ich werde ihn in meine persönliche Bibliothek aufnehmen.
Die sogenannte Zungenalge
Auf der Insel Primum wachsen gewöhnlich viele Kräuter, die dazu neigen den Unvorsichtigen zu vergiften. Kaum etwas auf dieser Insel ist harmlos. So ist es kein Wunder, dass Einheimische ihre Nahrungsmittel sorgfältig aussuchen oder eine gewisse Resistenz gegen die Flora und Fauna entwickeln müssen. Alles andere bedeutet den Tod.
Umso mehr bin ich darüber verwundet, dass es auf dieser Insel ein sehr starkes heilfähiges Kraut gibt. Diese unscheinbare Pflanze wächst im Wasser und scheint dieses zu filtern. Das ich es entdeckt habe, war ein Wille des Geistes, denn ohne diese Pflanze wäre ich hier gestorben. Ich habe auf die schmerzhafte Weise lernen müssen, dass es nicht reicht, einfach nur vorsichtig zu sein.
Es war nur ein kleiner Schnitt an den Dornen einer Pflanze, den ich erst bemerkt habe, als das Brennen begann. Und dann wurden meine Beine schon schwächer. Außer Hörreichweite eines denkenden Wesens war ich auf mich selbst gestellt. Ich hatte ein Gegenmittel dabei, dass ich auf die Wunde träufelte, doch meine Kraft verlies mich zunehmen. Ich brach in der Nähe des Wasserlaufs zusammen.
Als ich wieder zu mir kam, lang mein Arm im Wasser, von einer Pflanze umgeben, die ihn ihrer Form mich an eine Zunge erinnerte. Zungenalge, so schrieb ich sie später in meine Aufzeichnungen. Ein paar dieser Zungen hatte sich um mein Arm gewunden. Ich nahm, zu Untersuchungszwecken, einige dieser Algen mit und nach sorgfältigen Prüfungen bin ich mir sicher, dass sie dafür gesorgt haben, dass die Wunde von dem Gift gereinigt wurde und das mein Körper mehr Kraft fand, gegen den Wundbrand anzukämpfen. Letzendlich hat dieses Kraut geholfen, dass ich noch am Leben bin.
epistemische Anmerkung: Diese ungehobelten Einheimischen würden diese Pflanze nie und nimmer anrühren, weil sie grün ist. Eine Zeichnung der sogenannten Zungenalge muss wohl im Nebel abhanden gekommen sein.
Warum ein unglückseeliges Geschick unsere Expedition ausgerechnet in dieses Lager verschlagen hat wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben, aber es ist Sache des Kommandanten so etwas zu entscheiden. Ich hoffe nur, dass er triftige Gründe dafür hatte, nicht dass er diese im Moment mit mir teilen würde oder irgendetwas besprechen würde, was sich nicht um die nächste Schlacht dreht...
Heute ist mir klar geworden, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass Keiner aus dem Tross, der nicht direkt mit den Kämpfen zu tun hat, das Gehör unserer Expeditionsleitung, geschweige denn der Lagerleitung finden kann.
Wie viel ungenutzte Möglichkeiten hier entstehen, wie viel Potential hier verschenkt wird, wurde mir erst nach meinem Gespräch mit einem der Handwerker aus dem Tross klar. Ich sah ihn heute Mittag mit einem Gardisten streiten, der ihn nicht einmal die Nähe unserer Anführer hat treten lassen. Alle Beteuerungen, dass es wichtig sei und die weiteren Kämpfe entscheidend beeinflussen könnte, blieben ohne Erfolg.
Ich fürchtete, dass sich der Streit zu einem unschönen Vorfall entwickeln würde, waren doch beide vom Wüstenvolk und in ihrem Temperament entsprechend wenig zurückhaltend. Also schritt ich ein und der Handwerker beruhigte sich etwas, konnte er doch jetzt mit einem Mitglied des Stabes reden. Wie schnell sein Zorn doch wieder aufgeflammt wäre, hätte er gewusst, dass auch ich nicht mehr dem inneren Kreis zugeordnet bin. Doch so konnte ich mit wachsendem Interesse seinen Bericht entgegen nehmen.
Beim Fällen von Bäumen für den täglichen Bedarf des Lagers stießen sie auf eine Gruppe von Bäumen, die auf den ersten Blick fast wie Kiefern aussehen. Zur Überraschung aller Holzfäller, ließ sich keiner der Bäume fällen; sie widerstanden allen Versuchen ihnen mit Äxten und Sägen zu Leibe zu rücken. Selbst die kleinsten Äste besitzen noch eine unglaubliche Härte.
Da der Gute Mann sonst vor allem als Tischler und Zimmermann sein Geld verdient, konnte er mir gar nicht genug Wunderdinge erzählen, die sich mit einem solch harten und perfekten Holz bauen ließen. Angefangen von Mühlrädern, die ihre Achsen und Lager nicht mehr zerstören, über filigrane Brücken oder Leitern, bis hin zu ganz praktischen Waffen und Rüstteilen hatte er alles schon vor seinem geistigen Auge gebaut.
Ich muss ihm Recht geben. Man stelle sich ein Holzschild vor, dass die Stärke eines Stahlschildes besitzt oder einen Speer, der niemals bricht, ganz abgesehen von großen Kriegsgerät, bei dem das Holz immer der schwächste Teil ist. Allein er konnte keinen seiner Pläne ausführen, da es noch nicht einmal möglich war einen der Bäume zu fällen.
Wie naiv war ich in meiner Begeisterung, als ich den Bericht und die Pläne, durch viel Bitten und Einfordern von Gefälligkeiten, doch unserem Expeditionsleiter vortragen konnte. Ich stieß auf unverholenes Desinteresse. Es war nicht zu vermitteln welchen Schatz wir hier in greifbarer Nähe hatten, es wurden keinerlei Resourcen und Personen bewilligt, die Bäume auch nur eingehender zu untersuchen. Dem Krieger, der unser Kommandant vor so vielen Jahren einmal gewesen sein muss, war scheint es schon die Erwähnung von Holz suspekt und seine Aufmerksamkeit wendet sich bald wieder der nächsten Schlachtplanung zu.
So war ich auf mich alleine gestellt und ich konnte mir die Bäume mit einigen Uths zusammen anschauen. Sie werden bei den Uth als ToOb bezeichnet, was wohl so viel heißt wie Starker Baum, die besonderen Eigenschaften sind ihnen wohl bekannt, sie verwenden das Holz aber nicht, weil die Gewinnung so komplex und schwierig ist.
Es steht wohl zu befürchten, dass damit noch eines der Geheimnisse dieser Insel wieder in Vergessenheit gerät und der Schatz für uns ungenutzt zurück bleibt. Ich hoffe der werte Leser kann aus diesen Zeilen die Weisheit ziehen, sich nicht zu sehr in einen einzigen Aspekt der Geschehnisse um ihn herum zu vertiefen, wenn er nicht das wichtigste verpassen will.
gezeichnet
Tir Bel'Sal
Erster Schreiber der Expeditionstruppen
Wie ich bereits mit dem werten Leser geteilt habe, sind die Uth ein Volk, das viel und ausgiebig feiert. Ja sie scheinen das Leben so sehr zu feiern und zu lieben, da ihre Insel ihnen auf so vielerlei Arten nach dem Leben trachtet. An anderer Stelle habe ich ausführlich über die Riten der Uth mit ihren Trommeln und Gesängen und ihrer Liebe zum Feuer berichtet, hier will ich eine ihrer Geschichten aufzeichnen, die mir die Hohepriesterin beim gestrigen Fest, oder sollte ich besser sagen Gelage, erzählt hat.
Auch wenn es mir fern liegt dem Wissenssuchenden eine Wahrheit vorzuenthalten oder seinen Zugang hierzu auch nur zu erschweren, so fiel es mir doch sehr schwer diese Geschichte mit all ihren Details aufzuschreiben. Es mag den werten Leser verwundern, aber mit fehlen durchaus die Worte um hier alles so wiederzugeben, wie es wohl gedacht ist. Die Legende, die mit mir geteilt wurde, nun…
Also es war bereits sehr spät und es waren schon viele Geschichten erzählt worden und der Trunk, der wohl aus einer Art Pilz und Milch gebraut wird, ist auch reichlich geflossen. Ja, das mag dem Verständnis dienen, auch ich und mein Begleiter Tehman hatten je einen ganzen Becher getrunken, was wahrlich ein Becher zu viel ist. Es fiel mir auf, dass die Hohepriesterin, wohl zur Feier des Anlasses, ein besonderes Medaillon trug und damit nahm die unglückselige Geschichte ihren Anfang.
Mir war durchaus bewusst, dass die Uth, wie es ihrem einfachen, manchmal gar kindlichem Gemüt entspricht, gerne derbe Scherze und Späße machen. Manche ihrer Erzählungen sind wohl auch nur Zoten, darauf ausgelegt das Gegenüber zu überraschen. Insbesondere die Geschichten um Ko'Ti sind auch viel zu divers um wirklichen Tatsachen zu entspringen. Aber diese Geschichte hat mich doch unvorbereitet getroffen, zumal Li'No'Ut neben mir saß und alles mit lautem Lachen kommentierte.
Ich war also so unvorsichtig zu fragen, was dies für ein besonderer Talisman sei, den sie heute an einer Lederschnur um ihren Hals trug. Da wohl alle Kinder bereits schlafen gegangen waren, hat Sie lautstark verkündet, dass sie mir antworten wird. Schon dies hat zur Erheiterung aller anwesenden Uth beigetragen, da sie diese Ankündigung ausschmückte mit einem Hinweis auf die Weisheit, die ich dadurch erlangen werde und dem tiefen Verständnis der Uth, die mir dies ermöglichen würde. In gewisser Weise hat sie wohl recht und ich habe mehr erfahren, als selbst mein Wissensdurst wollte.
Sie nannte es die Geschichte vom Zyklus als das Chaos verlor und es beschreibt wohl eines der Turniere, die bereits vergangen sind. Eine ihrer weiblichen Vorfahren hatte, der Geschichte nach, auch damals das Amt der Hohepriesterin inne, doch war sie als die Kämpfer die Insel betraten noch sehr jung und wie sie es ausdrückte, noch voll Feuer wie ihre Tochter Li'No'Ut.
Damals wollte die Hohepriesterin eine viel aktivere Rolle im Turnier einnehmen und besuchte der Reihe nach die Lager, um einzuschätzen, ob eines der Lager ihre Bewunderung und damit Gunst verdienen würde. Stolz wie sie war, besuchte sie ein Lager nach dem anderen und stelle den ersten Streiter zur Rede.
Sie sprach mit ihm wenn er es vermochte, betrachtete ihn nur, wenn er dies nicht tat und im Fall des Krieges kämpfte sie sogar mit ihm. Auf meine Zwischenfrage ob sie ihn bezwang, sah sie mich die Hohepriesterin nur strafend an und Li'No'Ut flüsterte mir ins Ohr, das solche Selbstverständlichkeiten nicht erwähnt werden. Keiner der Streiter schien ihr Würdig und als letztes Lager besuchte sie das Lager des Chaos.
Auch in diesem Jahr war das Lager des Chaos von Orks beherrscht und der erste Streiter war einer der größten und mächtigsten Orks, die die Insel je gesehen hatte. Die Uth Priesterin gefiel ihm und auch wenn er sie nicht verstand, so verstand er es doch sie mit Gesten und Geschenken in sein Zelt zu bitten. Stolz wie sie war, fühlte sie sich zum ersten Mal mit Respekt behandelt. Sogar eine Wache wurde vor dem Zelt aufgestellt, wohl ihr zu Ehren. Doch der erste Streiter des Chaos hatte nichts gutes vor, ihr Feuer hatte sein Herz verbrannt und so versuchte er mit Gewalt zu nehmen, wonach es ihm jetzt so verzehrte. Doch stolz wie die Hohepriesterin war lachte sie nur und zeigte ihm wie heiß ein Stein brennen kann.
Der folgende Teil der Geschichte ging zum großen Teil in viel Gejohle und lautem Lachen unter. Offensichtlich war die Geschichte schon viele Male erzählt worden und jetzt beteiligten sich immer mehr Uth an der Erzählung und schmückten sie immer unwahrscheinlicher aus. Was ich noch verstanden habe und hier wiedergeben will, ist, dass nach viel Zeit die Uht beschloss noch ein wenig nachzuhelfen und nun ja, Teile des ersten Streiters versteinerte. Das ging eine Zeit lang gut, aber dann brach es ab. Der erste Streiter war nicht mehr lange und die Hohepriesterinnen dieses Uth Stamms geben den Talisman seitdem immer an die Nachfolgerin weiter. Es wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben, wie laut Li'No'Ut gelacht hat, als ich es letztendlich verstand und sehr rot geworden bin...
Tehman hatte mittlerweile, alle Warnungen aus früheren Begebenheiten in den Wind schlagend, wohl seinen zweiten Becher gelehrt und mit leicht unsicherer Stimme die Geschichte angezweifelt. Sein Argument war, dass der Stein viel zu stark bearbeitet wirkt und viel zu glatt und überhaupt nur in der groben Form mit dem zu tun hat, was er darstellen soll. Ich werde die weiteren Erklärungen und Begebenheiten des Abends hier nicht festhalten, ich erwähne sie auch nur, da wir eine gar wunderbare Redewendung dadurch erlangt haben. Gegeben natürlich wieder in einer Zweiform:
Ut As | Ein Stein, der rollt | |
Ar Me | wird klein. |
Wobei das Ut As zum besseren Verständnis auch mehrmals wiederholt und mit Gesten unterlegt werden kann. Eine Übersetzung wäre etwa "Ein Stein der viele Jahre rollt, wird rund und klein" oder freier und uns verständlicher "Steter Tropfen höhlt den Stein".
Aber genug von allem was hier erzählt wurde, ich glaube die ganze Geschichte nicht wirklich und sie muss wohl mit klarerem Kopf und wacheren Sinnen interpretiert werden. Viel mehr beschäftigt mich im Moment die Frage, warum die Tinktur des Heilers nicht endlich wirken mag?
gezeichnet
Tir Bel'Sal
Erster Schreiber der Expeditionstruppen
Nachtrag:
Tehman, bitte streiche die persönlichen Teile des Berichts wenn Du die offizielle Schrift für die Expeditionsbücher erstellst. Behalte diesen Text bei den Abschriften, ich werde ihn in meine persönliche Bibliothek aufnehmen.
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